Briefwechsel Johann Michael Franz


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Franz, Johann Michael (1700-1761)
Empfänger Delisle, Joseph-Nicolas (1688-1768)
Ort Nürnberg
Datum 18. August 1748
Signatur Bibliothèque de l'Observatoire de Paris: B1/4-177
Transkription Hans Gaab, Fürth


Monsieur,

Je suis charmé Monsieur de me voir honoré de vos lettres chargées de quelques commissons, qui regardent l'astronomie, dont vous souhaitez être informé p[ar] rapport aux Astronomes de notre ville, qui vous sont connus.

M.r Adelbulner a obtenu la Profession des mathematiques d Altorf & a quittè Nuremberg.[1] C'est ce qui lui a fait abandonner ses oevres, qui sont envote dans le meme Etat, ou il les a laissées.[2] Ainsi vous avez toutes les feuilles, & il n`y a rien davantage pour completer vos Exemplaires. Et je ne scai non plus, quand il se determinera de les continuer. Quant aux autres ouvrages de Mssis Rost[3], Doppelmayer[4], Klim[5], que vous avez nommes, je vous le procuterai tous en les joignant au premier envoi pour M.r Julien.[6] Il est encore dans mes mains un autre paquet destiné pour vous p[ar] M.r Haude[7] Libraire de Berlin, que je vous ferai tenir par la meme voie. M.r Doppelmayer est fort difficile à communiquer son Recueil d'observations astronomiques, qu'il vante avoir ramasse p[ar] une longue correspondence. On ne les verra qu' apres sa mort, que lui menace l'attaque l'apoplexie, qui le surprit dans sa derniere lecon le physique experimentale sur l'Electricite. Ce qui fit courir la faux bruit, que ces experiences electriques en etait la principale

[Bl. 1v]
cause.[8] C'est avec raison, que vous dites Monsieur, que le sieur Doppelmayer manque de tout maniment d'Instrumens d'Astronomie;[9] mais ce n'est pas la seule cause, qu'il ne se sert pas des instrumens de M: Eimmart, etablis sur notre rempart; ces instrumens manquent absolument de cette justesse, que l’on desire aujourd‘hui.[10] C’est pourquoi il ne vaut pas la peine, je croi, a rechercher si soigneusement les observations de M: Eimmart, principalement parcequ‘ elles sont entres les mains d’une femme des plus bizarres,[11] qui ne parle que des mille florins pour ce pretendu tresor. On n’a que d’attendre sa mort & alors on pourra epier une occasion plus favorable de s‘en saisir a bon marche ou meme gratuitement. M. Wurzelbauer le fils est mort,[12] & l’on ignore jus qu’ici le sort de la collection des observations astronomiques faites par son pere.[13] Elles sont dignes I’etre recherchees & j’en aurai le soin.

M.r Mayer[14] membre de notre Societe Geographique

[Bl. 2r]
de qui je vous presente une lettre,[15] a fait dans notre maison[16] une fort belle observation sur l’Eclipse ☉re du 25. Juill. Comme elle est fort instructive pour la Geographie, nous allons la faire imprimer, & j’aurai l’honneur de vous en faire tenir quelques Exemplaries. Sojez persuadé Monsieur, que cette observation & encore quelques autres coelestes, que vous y trouverez, sont les plus parfaites, qu’on a jamais fait a Nuremberg. Je ne puis m‘empecher de dire, qu’elles surpassent de beaucoup celles de M. Wurzelbauer. Je n’ai qu’a vous renvojer à l’imprimé que nous publierons.[17] Faites s’il vous plait Monsieur quelque tentative avec lui & vous le trouverez fort bien versé dans la Geometrie superieure & dans l’astronomie la plus profonde. Il en est de meme de M.r Lowiz,[18] vous en verrez les epreuves dans nos Ephemerides geographiques, que j‘écrirai chaque ann´e sur ce que mes Associes entreprennent pour la culture de la Geographie. Je ne manquerai par de joindre aux sus dits livres un plan de Nuremberg, ou j’ai marqué les maisons de Mss.es

[Bl. 2v]
Walter, le Wurzelbauer, & des Heritiers de Homan, comme vous l’avez desiré.[19]

Je suis avec tout l’attachement & avec tout le respect, qui vous est dû

Monsieur

votre tres humble &
tres obeissant serviteur

a Nuremberg de 18. d’Aout
1748

Jean Michel Franz
Geographe Imperial
[coheritier de Homan]



Deutsche Übersetzung

Sehr geehrter Herr,

ich bin hocherfreut, mein Herr, dass Sie mich mit Ihren Briefen beehren, die mich mit einigen Aufträgen betrauen, welche die Astronomie betreffen, über die Sie informiert werden möchten bezüglich der Ihnen bekannten Astronomen unserer Stadt.

Herr Adelbulner hat die Professur der Mathematik in Altdorf erhalten und Nürnberg verlassen.[1] Das hat ihn veranlasst, seine Arbeiten einzustellen, die noch in dem selben Zustand sind, in dem er sie zurückgelassen hat.[2] Daher haben Sie sämtliche Bögen und es gibt darüber hinaus nichts Weiteres mehr, was Ihre Exemplare vervollständigen könnte. Und ich weiß auch nicht, wann er sich entschließen wird, seine Arbeiten fortzusetzen. Was die anderen Werke der Herren Rost[3], Doppelmayr[4] und Klimm[5] betrifft, die Sie angeführt haben, so werde ich sie Ihnen besorgen und der ersten Sendung an Herrn Julien[6] beifügen. Ich habe noch ein weiteres Paket in Händen, das vom Buchhändler Haude[7] aus Berlin für Sie bestimmt ist und das ich Ihnen auf dem gleichen Weg zukommen lassen werden. Herr Doppelmayr dürfte schwerlich in der Lage sein, seine Sammlung astronomischer Beobachtungen zu übermitteln, die er sich rühmt in einer langen Korrespondenz zusammengetragen zu haben. Man wird sie erst nach seinem Tod sehen, der ihm nach dem Schlaganfall droht, der ihn während seiner letzten Eyperimentalphysikvorlesung zur Elektrizität ereilt hat. Das brachte das falsche Gerücht in Umlauf, dass die elektrischen Experimente die hauptsächliche Ursache dafür waren.[8]

[Bl. 1v]
Zurecht sagen Sie, mein Herr, dass es Herr Doppelmayr am richtigen Umgang mit den Instrumenten der Astronomie fehlen lässt;[9] aber das ist nicht der einzige Grund, dass er sich der Instrumente von Herrn Eimmart nicht bedient, die auf unserer Stadtmauer aufgestellt sind: diesen Instrumenten fehlt völlig die Genauigkeit, die man sich heutzutage wünscht.[10] Deshalb lohnt es sich meiner Meinung nicht, sich so eifrig um die Beobachtungen von Herrn Eimmart zu bemühen, hauptsächlich aber weil sie im Besitze einer sehr eigenwilligen Frau sind, die nur von den 1000 Gulden für diesen vermeintlichen Schatz spricht.[11] Man braucht nur ihren Tod abzuwarten und dann wird man eine günstigere Gelegenheit erspähen können, um billig oder gar umsonst an sie heranzukommen. Der Sohn von Herrn Wurzelbauer ist tot[12] und bis jetzt weiß man nichts über das Schicksal der Sammlung astronomischer Beobachtungen, die von seinem Vater gemacht worden sind.[13] Sie sind es wert danach zu suchen und ich werde mich darum bemühen.

Herr Mayer,[14] Mitglied unserer Geographischen Gesellschaft,

[Bl. 2r]
von dem ich Ihnen einen Brief vorlege,[15] hat in unserem Haus[16] eine sehr schöne Beobachtung der Sonnenfinsternis vom 25. Juli gemacht. Da sie für die Geographie äußerst lehrreich ist, werden wir sie drucken lassen und ich habe die Ehre, Ihnen ein paar Exemplare zukommen zu lassen. Seien Sie überzeugt, mein Herr, dass diese und noch einige weitere Himmelsbeobachtungen, die Sie darin finden, die vollkommendsten sind, die jemals in Nürnberg gemacht worden sind. Ich kann nicht umhin zu behaupten, dass sie bei weitem diejenigen von Herrn Wurzelbauer übertreffen. Ich brauche Sie nur auf das Druckwerk zu verweisen, das wir veröffentlichen werden.[17] Ich bitte Sie, mein Herr, machen Sie sich an die Lektüre und sie werden sehen, dass es in höherer Geometrie und in der grundlegendsten Astronomie sehr geistreich ist. Das gleiche gilt für Herrn Lowiz[18]; Proben davon werden Sie in unseren geografischen Ephemeriden finden, die ich jedes Jahr über die Unternehmungen meiner Mitgesellschafter zur Förderung der Geographie verfasse. Ich werde es nicht versäumen zu den oben genannten Büchern einen Plan von Nürnberg hinzuzufügen, auf dem ich die Häuser der Herrn Walter, Wurzelbauer und der Erben von Homan eingetragen habe, so wie Sie es wünschten.[19]

Ich verbleibe in aller Verbundenheit und allem gebührendem Respekt, mein Herr,

Sehr geehrter Herr

Ihr sehr ergebener
und gehorsamer Diener

Nürnberg, den 18. August
1748

Jean Michel Franz,
Kaiserlicher Geograph,
[Miterbe von Homan]


Fußnoten

  1. Michael Adelbulner (1702-1779) erhielt 1742 die Professur für Mathematik und Physik in Altdorf.
  2. Adelbulner hatte vom Oktober 1733 bis zum Mai 1736 die Zeitschrift Commercium litterarium ad astronomiae incrementum herausgegeben, bei der es sich um die erste ausschließlich der Astronomie gewidmete Fachzeitschrift handelte. Ab 1736 gab er stattdessen die deutschsprachige Zeitschrift Merkwürdiger Himmels-Begebenheiten heraus, deren letzte Ausgabe im Dezember 1740 erschien.
  3. Als Astronom war Johann Leonhard Rost (1688-1727) vor allem durch sein Astronomisches Handbuch von 1718 bekannt geworden. Delisle wollte dieses Buch sowie das Nachfolgeprojekt von 1727, den Aufrichtigen Astronomus haben.
  4. Johann Gabriel Doppelmayr (1677-1750) war seit 1704 Professor für Mathematik am Nürnberger Egidiengymnasium. Delisle wollte dessen Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern von 1730 haben.
  5. Johann Albrecht Klimm (ca.1608-1778) hatte 1725 in Nürnberg die Astronomische Tabellen des Herrn de la Hire herausgebracht, die Delisle haben wollte.
  6. Roch-Joseph Julien vertrieb Landkarten in Paris.
  7. Ambrosius Haude (1690-1748) war Buchhändler und Verleger in Berlin.
  8. Doppelmayr beschäftigte sich in den vierziger Jahren hauptsächlich mit Experimenten zur Elektrizität. Darüber entstand das Gerücht, er habe bei seinen Experimenten einen starken elektrischen Schlag erhalten, der ihn lähmte. Mit dieser Stelle aus dem Brief von Franz ist aber geklärt, dass er während einer Vorlesung zur Experimentalphysik, in der er elektrische Experimente vorführte, einen Schlaganfall erlitt, worüber das erwähnte Gerücht entstand.
  9. Doppelmayr wurde 1710 Direktor der Nürnberger Sternwarte auf der Vestnertorbastei. Es gab - wohl nicht zu Unrecht - zahlreiche Klagen, insbesondere von Johann Leonhard Rost, das er die Sternwarte vernachl&assige.
  10. Die Geräte der Sternwarte waren 1690 aufgestellt worden und seitdem Wind und Wetter ausgesetzt. Nach mehr als einem halben Jahrhundert waren sie damit für genaue Vermessungen nicht mehr tauglich.
  11. Die Eimmartschen Observationen kamen nach dessen Tod in den Besitz seines Schwiegersohns Johann Heinrich Müller (1670-1730), der sie mit nach Altdorf genommen hatte. Nach Müllers Tod gingen sie an seine zweite Ehefrau Apollonia Lochner (?-1755) über, die hier von Franz als "sehr eigenwillige Frau" bezeichnet wird. Dieser 57 Bände umfassende Nachlass befindet sich heute in der Nationalbibliothek in St. Petersburg.
  12. Martin Benedict Wurzelbau (1669-1732) starb am 19. Juni 1732 in Gunzenhausen.
  13. Johann Philipp von Wurzelbau (1651-1725) war um 1700 einer der bekanntesten Astronomen Nürnbergs. Er hat zahlreiche Beobachtungen hinterlassen, darunter 6000 Vermessungen von Sonnenhöhen, von deren Verbleib aber nichts bekannt ist.
  14. Tobias Mayer (1723-1762) war in den späten vierziger Jahren der wichtigste Mitarbeiter bei Homanns Erben. 1751 wechselte er nach Göttingen, wo ihm eine Professur angeboten worden war.
  15. Franz hatte den Brief von Mayer beigelegt. Es dürfte sich um dessen Brief vom 21. August handeln.
  16. Es handelt sich um das heutige Fembohaus in der Burgstraße 15. Heute befindet sich dort das Nürnberger Stadtmuseum.
  17. Gemeint sind die Kosmographischen Nachrichten für 1748, die 1750 herauskamen [New York Public Library].
  18. Neben Mayer war Georg Moritz Lowitz (1722-1774) der wichtigste Mitarbeiter bei Homanns Erben. Er wechselte 1755 nach Göttingen.
  19. Diesen Plan scheint erst Lowitz seinem Brief (1702-1779) an Delisle vom 1. März 1752 beigelegt zu haben.



Danksagung: Unser Dank gilt Michael Herrnböck für massive Hilfe bei der Transkription und der Übersetzung.

 © 2004 - 2024  | Astronomische Gesellschaft in der Metropolregion Nürnberg e.V. (AGN)
Datenschutz         Impressum         Haftungsausschluss