Hans III Tucher im Zwölfbrüderhaus.
Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg, Amb. 317b.2o, f. 108v.

Hans (+ Familie) Tucher (Ducher)

Bekannte Kompassmacherfamilie aus Nürnberg.

Lebenslauf:

Die Verwandtschaftsverhältnisse in der Familie Tucher sind nicht geklärt, mit der Patrizierfamilie Tucher sind sie nicht verwandt. Von 1492 bis 1496 ist ein Jörg Tucher als Kompassmacher nachweisbar, von dem sich jedoch keine Geräte erhalten haben. Dass er der Vater von Hans I ist, ist Spekulation. Ebenfalls Spekulation ist, dass eine um 1530 nachweisbare Kompassmacherin Katharina Tucher seine Tochter war.

Hans I wurde am 31.07.1537 Meister. Bei seiner Beerdigung in St. Lorenz im Dezember 1550 wurde als sein Wohnort "auf dem Platz" angegeben. Laut Grieb 3, 2007, S. 1553 wohnte er am Graben hinter St. Lorenz, das ist die heutige Theatergasse. Er könnte somit am Platz hinter St. Lorenz gewohnt haben. Er war zweimal verheiratet, wobei aus der zweiten Ehe der Sohn Hans III hervorging. Abeler (2010, S. 562) bringt eine weitere Hochzeit am 06.03.1550, doch dieses Datum ist nicht haltbar. Vom ihm haben sich keine Geräte erhalten, womit die in der Literatur zu findende Angabe, dass sein Meisterzeichen eine gekrönte Schlange war, extrem fragwürdig wird.



Epitaph für Hans II Tucher
St. Rochusfriedhof, Grab 1082
Hans II wurde am 31.05.1557 Meister. Sein Meisterzeichen war eine Schlange, deren Haupt von einem Stern gekrönt war. Aus seiner zweiten Ehe gingen u.a. 3 Söhne hervor, die ebenfalls Kompassmacher wurden, von denen sich aber nur der jüngste Sohn Thomas (1590-1645) etablieren konnte. Hans Tucher kaufte 1567 für 540 fl. das Haus L 967 (Untere Grasersgasse 12). 1590 hat er das Haus neu aufgebaut, 1608 hat er es für 800 fl. seinem Sohn Christoph verkauft, der es 1618 an den Kompassmacher Hans Troschel d.J. um 875 fl. verkaufte (Stadtarchiv Nürnberg: D1 Nr. 791). Das angrenzende Haus L 965 (Obere Grasersgasse 10-12) befand sich ebenfalls im Besitz von Tucher, der es am 26.01.1611 für 645 fl. an Margaretha Vielmann verkaufte (Stadtarchiv Nürnberg: D1 Nr. 795).

Hans III wurde am 16.01.1570 Meister. Auch sein Markenzeichen soll eine mit einem Stern bekrönte Schlange gewesen sein. Er wurde im September 1631 Insasse im Zwölfbrüderhaus - einer Art Altersheim neben dem Katharinenkloster -, wo er im folgenden Jahr starb. Hier entstand sein oben gezeigtes Porträt. Der zugehörige Text lautet:

Hannß Tucher Seines Handwercks ein Compasten-macher
und ein Züngleinfeihler, Seines Alters 84. Jahr, Ist denn 12. Septem=
bris anno 1631 in daß Zwolffbrüder Hauß genommen worden.
Dießer bruder starb denn 10 Junÿ Ao. 1632. Abendtes umb
.4. der kleinern Uhr, Ist ein frommer kurzweiliger Mann
geweßen.


Epitaph für Hans III Tucher
St. Rochusfriedhof, Grab 30

Wirken:

Das früheste von einem Hans Tucher signierte Gerät stammt aus dem Jahr 1560, d.h. von Hans I sind keine Geräte überliefert. Damals war Hans III erst 11 Jahre alt, so dass dieses Gerät eindeutig Hans II zuzuschreiben ist. Wahrscheinlich gilt dies auch noch für die Geräte bis etwa 1570, doch ist spätestens dann nicht mehr geklärt, von welchem der beiden Hänse die überlieferten Geräte stammen. Erst der hölzerne Körper mit mehreren Ziffernblättern von 1621 aus Dresden ist wieder eindeutig Hans III zuzuschreiben.

Literatur:

Links:

Klappsonnenuhren von Hans Tucher



Klappsonnenuhr von Hans Tucher aus dem Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart
  • Entstanden 1567, Museum of the History of Science, Oxford
  • Entstanden 1568, Wien Museum
  • Entstanden 1578, Museum of the History of Science, Oxford
  • Entstanden 1579, Britisches Museum, London
  • Entstanden 1579, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
  • Entstanden 1580, National Maritime Museum, London
  • Entstanden 1581, Britisches Museum, London
  • Entstanden 1582, Britisches Museum, London
  • Entstanden 1583, Landesmuseum Württemberg in Stuttgart
  • Entstanden 1579, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
  • Entstanden um 1580, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
  • Entstanden 1588, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
  • Entstanden 1588, Museum of the History of Science, Oxford
  • Entstanden 1589, Museum of the History of Science, Oxford
  • Entstanden 1589, Science Museum, London
  • Entstanden 1596, Museum of the History of Science, Oxford
  • Entstanden um 1597, Adler Planetarium, Chicago
  • Entstanden um 1600, Adler Planetarium, Chicago
  • Entstanden 1598, Landesmuseum Württemberg in Stuttgart
  • Entstanden 1600, Museum of the History of Science, Oxford

  • Weitere Klappsonnenuhren von Hans Tucher
  • Entstanden 1600, Museum of the History of Science, Oxford
  • Entstanden um 1600, Museum of the History of Science, Oxford
  • Entstanden um 1600, Britisches Museum, London
  • Entstanden um 1600, ETH, Zürich
  • Entstanden zwischen 1615 und 1632, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
  • Entstanden 1611, Adler Planetarium, Chicago
  • Entstehungsdatum unbekannt, Harvard University
  • Entstehungsdatum unbekannt, Adler Planetarium, Chicago
  • Entstehungsdatum unbekannt, Adler Planetarium, Chicago
  • Entstehungsdatum unbekannt, Adler Planetarium, Chicago

Quaderförmige Sonnenuhren / Würfelsonnenuhren

Bergkompass, Hängekompass mit Sonnenuhr

Elfenbeinerne Klappsonnenuhren, die der Werkstatt der Familie Tucher zugeschrieben werden

Mathematisches Compendium von Hans Tucher


Fußnoten

  1. Grieb 3, 2007, S. 1553. Dieses Geburtsjahr ist eine Spekulation von Abeler (2010, S. 563): Nachweisbar ist, dass Hans I Tucher 1537 Meister wurde. Damals muss er mindestens 24 Jahre alt gewesen sein, worüber Abeler auf das Geburtsjahr 1513 schließt.
  2. "Hans Tucher Compast macher auf dem Platz 3 [Dezember 1550]", Bestattungen St. Lorenz 1547-1577, S. 37 (Scan 20).
  3. "Hans Ducher Kunigl. Hungebergerin 6 [März 1537]", Trauungen St. Lorenz 1524-1542, S. 191 (Scan 97).
  4. "Hanns Tucher, Helena Wattenhofferin, undecio Februar: [1545]", Trauungen St. Sebald 1544-1555, Bl. 79r (Scan 41).
  5. "Jorg Ducher, Anna, Hans Els [Elisabeth] Zwilling", Taufen St. Lorenz 1533-1561, Bl. 65r (Scan 63).
  6. "Der Ersam Hans Tucher der elter Compastenmacher in der Graßer Gaßen; 3 [Dezember 1550]", Bestattungen St. Lorenz 1613-1630, S. 46 (Scan 25).
  7. "Hannß Tucher Compastmacher Ursula Geisendorfferin 11 [Mai 1557]", Trauungen St. Lorenz 1557-1587, S. 8 (Scan 5). Bei Grieb 3, 2007, S. 1553 falsches Datum: Juni statt Mai.
  8. "Hans Tucher Dorothea Gundlhaimerin 3. Julij [1564]", Trauungen St. Sebald 1556-1586, Bl. 110v (Scan 87). Bei Gouk 1988 S. 57, übernommen von Grieb 3, 2007, S. 1553 falsches Datum: 01.01.1564 statt 03.07.1564.
  9. Datum nach Grieb 3, 2007, S. 1553. In den Bestattungsbüchern von St. Lorenz und St. Sebald ist dieses Datum nicht nachweisbar.
  10. "Hans Tucher Compastmacher Ursula Hirnin 19 [Oktober 1579]", Trauungen St. Lorenz 1557-1587, S. 371 (Scan 192).
  11. "Wolf Hirn ein dochter Ursula 7 November [1555]", Taufen St. Sebald 1544-1555, Bl. 325v (Scan 241).
  12. "Ursula des Ersamen Hansen Tuchers des Eltern Compastenmachers Ehewirthin in der Graßersgaßen 1 [Mai 1598]", Bestattungen St. Lorenz 1592-1613, S. 79 (Scan 39).
  13. "Hanns Tucher Helena Joannes 27. Julij [1549]", Taufen St. Lorenz 1533-1561, Bl. 272v (Scan 276).
  14. "Hanns Tucher Compastenmacher und Zwölff Brüderer, im [...] Hauß 12. [Juni 1632]", Bestattungen St. Lorenz 1631-1636, S. 29 (Scan 17). Todesdatum nach dem von ihm erhaltenen Porträt.
  15. "Hannß Tucher Hesther Wirschingin 6: [März 1570]", Trauungen St. Lorenz 1557-1587, S. 212 (Scan 111).
  16. "F. Margaretha, deß Ersamen Hans Tuchers Compastenmachers Ehewirtin in der Braÿtengassen bey dem schwarzen Adler", 22.11.1625, Bestattungen St. Lorenz 1613.1630, S. 289 (Scan 149).
  17. Proklamation am 12.02.1626: "Der Ersam Hans Tücher Compastenmacher, Jungfr. Margaretha, Caspar Henningen zu Großhaßlach seeligen tochter" Proklamatonen St. Lorenz 1620-1630, S. 305 (Scan 155). Heirat am 14.03.1626: "Hanß Tucher: Marge: ibid. [=14.03.1626]", Trauungen St. Sebald 1617-1641, Bl. 167r (Scan 117).
  18. "d. eod. [17. November 1656] Frau Margaretha, Hanß Tuchers, Compastenmachers Sel. Wittibin, in der äußern Lauffergaßen", Bestattungen St. Sebald 1654-1667, Bl. 38r (Scan 65).
Danksagung: Wir danken Annemarie Müller vom Landeskirchlichen Archiv für große Beihilfe beim Aufsuchen der Daten in den Kirchenbüchern.

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