Galilei und Marius


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Galilei und Marius,
von
J. A. C. Oudemanns und J. Bosscha

 
 

I. Einleitung.

Nachdem Herrn Favaro[1] das Programm des Jahres 1900 der Holländischen Gesellschaft der Wissenschaften aus Harlem[2] bekannt geworden war, machte er in der im September 1901 ausgelieferten Bibliotheca mathematica[3] einige Anmerkungen zu der von der Gesellschaft ausgeschriebenen Preisfrage. Dabei zeigte er sich über die Beweggründe überrascht, die zur Ablehnung des einzigen eingesandten Beitrags geführt hatten.[4] Die Preisfrage lautete wie folgt:[5] "Gewünscht ist eine vergleichende und kritische Studie, die sich auf die im Sidereus Nuncius von Galilei und im Mundus Jovialis von Simon Marius enthaltenen Beobachtungen der Monde des Jupiters bezieht. Wir wollen entscheiden können, inwieweit die von Galilei gegenüber Simon Marius vorgebrachte Anschuldigung des Plagiats als fundiert betrachtet werden kann (Humboldts Kosmos II, S. 357[6])."

In der Zusammenfassung der gefällten Urteile über den eingesandten Beitrag, zog die folgende Passage das besondere Interesse von Herrn Favaro auf sich: "Die eingesandte umfangreiche Arbeit, - 235 Seiten in deutscher Sprache, - wurde nacheinander den Herren J. A. C. Oudemans aus Utrecht, E. F. van de Sande Bakhuyzen[7] aus Leiden und J. C. Kapteyn[8] aus Groningen vorgelegt. Auf Grund der Lektüre der ausgestellten Gutachten entschlossen sich die Mitglieder der Jury, die Frage selbst zu beantworten, was mit viel Arbeit verbunden war. Die drei Berichterstatter kamen zum gleichen Schluss: Die Anschuldigungen von Galilei entbehren jeglicher Grundlage."


Fussnoten

  1. [Anmerkung des Bearbeiters]: Der italienische Wissenschaftshistoriker Antonio Favaro (1847-1922) war Herausgeber der Werke von Galilei.
  2. Archives Néerlandaises des Sciences exactes et naturelles, publiées par la Societé hollandaise des Sciences etc., Série II, Tome IV, S. 2. [Anmerkung des Bearbeiters: Hier findet sich die Ablehnung des einzig eingesandten Beitrags zur Preisfrage betreffs Marius, so auch das Zitat unten auf dieser Seite]
  3. [Anmerkung des Bearbeiters]: Gustav Eneström (Hrsg.): Bibliotheca Mathematica. Zeitschrift für Geschichte der mathematischen Wissenschaften. Dritte Folge, zweiter Band. Leipzig: Teuber 1901. Darin der Aufsatz von Antonio Favaro: Galileo Galilei e Simon Mayr, S. 220-223.
  4. [Anmerkung des Bearbeiters]: Die einzige eingesandte Arbeit war die von Josef Klug, die später eigenständig veröffentlicht wurde: Simon Marius aus Gunzenhausen und Galileo Galilei. Ein Versuch zur Entscheidung der Frage über den wahren Entdecker der Jupitertrabanten und ihrer Perioden. Abhandlungen der mathematisch-physikalischen Klasse der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 22 (1906), II. Abt., München 1906, 385-526.
  5. [Anmerkung des Bearbeiters]: Diese Preisfrage stand im Programm für das Jahr 1898, S. 6, Aufgabe IX, der Niederländischen Akademie der Wissenschaften.
  6. [Anmerkung des Bearbeiters]: Korrekter ist die Angabe S. 356f. Das angesprochene Zitat findet sich in der vorliegenden Abhandlung auf S. 118.
  7. [Anmerkung des Bearbeiters]: Hendricus Gerardus van de Sande Bakhuyzen (1838-1923) war ein niederländischer Astronom, der sich u.a. mit der Beobachtung von Planeten beschäftigte.
  8. [Anmerkung des Bearbeiters]: Der niederländische Astronom Jacobus Cornelius Kapteyn (1851-1922) gilt als Entdecker der Rotation der Milchstraße.

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